Stehbolzen lösen – Stehbolzenentferner richtig einsetzen
Sachkunde: Wenn Stehbolzen festgegammelt, korrodiert oder am Ende beschädigt sind, braucht es eine kontrollierte, materialschonende Demontage – ohne unnötiges Ausbohren.
1. Problemstellung
Stehbolzen sind im Motorradbau häufig thermisch und mechanisch stark belastet – typisch an Zylinderkopf, Abgasanlage oder Motorgehäuse. Durch Korrosion, Hitzezyklen und unsachgemäße Demontage entstehen häufig:
- festgefressene Stehbolzen
- beschädigte oder rundgedrückte Enden
- abgerissene Stehbolzen ohne brauchbaren Angriffspunkt
2. Funktionsprinzip
Ein Stehbolzenentferner arbeitet mit einem selbstklemmenden Greifmechanismus. Im Inneren sitzen mehrere gehärtete Klemmbacken (häufig 3-Kiefer-Design), die sich beim Drehen automatisch auf dem Stehbolzen festziehen.
Je höher das eingeleitete Drehmoment, desto stärker wird die Klemmwirkung. Dadurch ist eine Demontage auch möglich, wenn kein nutzbares Profil mehr vorhanden ist.
3. Fachgerechte Anwendung (Praxis)
- Stehbolzen und Umgebung reinigen (Drahtbürste/Brake Cleaner).
- Rostlöser auftragen und ausreichend einwirken lassen.
- Werkzeug gerade und axial aufsetzen.
- Drehmoment gleichmäßig aufbauen (keine ruckartigen Impulse).
- Bei Bedarf mit Wärme (Heißluft) das Bauteil dehnen, nicht den Stehbolzen überhitzen.
4. Methodenvergleich
| Methode | Bewertung / Hinweis |
|---|---|
| Kontermuttern | Funktioniert nur, wenn das Gewinde am Stehbolzen noch intakt ist. |
| Gripzange | Hohe Abrutsch- und Beschädigungsgefahr; oft nur bei gut zugänglichen Stehbolzen sinnvoll. |
| Ausbohren | Zeitintensiv; Risiko für schiefes Bohren und Gewindeschäden (Nacharbeit nötig). |
| Stehbolzenentferner | Kontrolliert, materialschonend; besonders sinnvoll bei Korrosion/Hitzeeinwirkung. |
5. Zusammenfassung
Ein Stehbolzenentferner ist ein spezialisiertes Werkstattwerkzeug für die kontrollierte Demontage beschädigter Stehbolzen. Richtig eingesetzt reduziert er das Risiko von Folgeschäden am Gewinde und spart Zeit gegenüber destruktiven Verfahren.
