Bremsbeläge

MOTOTECHLAB · SACHKUNDE

Bremsbeläge am Motorrad

Aufbau, Materialien, Verschleiß und Diagnose – hier erfährst du, wie Motorrad-Bremsbeläge funktionieren, welche Belagarten es gibt und worauf bei Prüfung und Austausch geachtet werden muss.

Aufgabe des Bremsbelags

Der Bremsbelag gehört zu den wichtigsten Verschleißteilen einer Motorradbremsanlage. Beim Bremsen werden die Beläge durch die Bremskolben gegen die Bremsscheibe gedrückt. Durch die entstehende Reibung wird die Bewegungsenergie des Motorrads hauptsächlich in Wärme umgewandelt.

Wichtig: Bremsbeläge, Bremsscheibe, Bremsflüssigkeit, Bremssattel und Reifen wirken als Gesamtsystem. Ein hochwertiger Bremsbelag kann technische Probleme an anderen Komponenten nicht kompensieren.

Aufbau eines Bremsbelags

Trägerplatte

Die metallische Trägerplatte bildet die mechanische Basis des Bremsbelags und überträgt die Kraft des Bremskolbens auf den Reibbelag.

Reibmaterial

Das Reibmaterial erzeugt den notwendigen Reibwert zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe. Seine Zusammensetzung beeinflusst Bremswirkung, Temperaturverhalten und Verschleiß.

Dämpfung

Je nach Konstruktion können Shims oder Beschichtungen auf der Rückseite Geräusche und Schwingungen zwischen Kolben, Bremsbelag und Bremssattel reduzieren.

Welche Bremsbeläge gibt es?

STRASSE

Organische Beläge

Organische Bremsbeläge verwenden eine Mischung verschiedener Fasern, Füllstoffe und Bindemittel.

  • gutes Ansprechverhalten
  • häufig geringere Geräuschentwicklung
  • vergleichsweise schonend zur Bremsscheibe
  • Temperaturbelastbarkeit abhängig von der Mischung
SEHR VERBREITET

Sinterbeläge

Bei Sinterbelägen werden metallhaltige Bestandteile unter hohem Druck und hoher Temperatur miteinander verbunden.

  • hohe Temperaturbeständigkeit
  • gute Bremsleistung bei Nässe
  • für hohe Belastungen geeignet
  • Verschleißverhalten abhängig von Belag und Scheibe
SPEZIAL

Spezialmischungen

Für Sport- und Rennanwendungen existieren spezielle Reibmaterialien mit auf den jeweiligen Temperaturbereich abgestimmten Eigenschaften.

  • auf Einsatzbereich abgestimmt
  • teilweise hoher optimaler Temperaturbereich
  • nicht jede Mischung ist für Straßenbetrieb geeignet
  • Herstellerfreigaben beachten

Bremsbeläge im Vergleich

Eigenschaft Organisch Sinter Sport/Racing
Kaltbremsverhalten gut gut bis sehr gut mischungsabhängig
Temperaturbeständigkeit mittel bis hoch hoch sehr hoch möglich
Nässe mischungsabhängig meist sehr gut mischungsabhängig
Typischer Einsatz Alltag / Straße Straße / Touring / Sport Sport / Rennstrecke

Welcher Bremsbelag passt?

Nicht automatisch ist der Belag mit dem höchsten Reibwert die beste Wahl. Der Bremsbelag muss zur Bremsanlage, Bremsscheibe und zum vorgesehenen Einsatzbereich passen.

Alltag & Straße

Gutes Kaltbremsverhalten, kontrollierbare Dosierung und ein breiter Temperaturbereich sind besonders wichtig.

Touring

Bei hoher Zuladung und längeren Gefällestrecken spielen Temperaturstabilität und konstantes Bremsverhalten eine große Rolle.

Sport

Bei hoher thermischer Belastung werden entsprechend temperaturstabile Belagmischungen benötigt.

Achtung: Verwende nur Bremsbeläge, die für das jeweilige Motorrad beziehungsweise die verbaute Bremsanlage vorgesehen und im Straßenverkehr entsprechend zulässig sind.

Bremsbelagverschleiß richtig prüfen

Die verbleibende Stärke des Reibmaterials sollte regelmäßig kontrolliert werden. Eine allgemeingültige Verschleißgrenze für alle Motorräder gibt es nicht.

Entscheidend sind die Vorgaben des Fahrzeug- beziehungsweise Bremsenherstellers sowie vorhandene Verschleißmarkierungen.

Werkstattregel: Nicht nur die Belagstärke kontrollieren. Auch auf unterschiedliche Belagstärken innerhalb eines Bremssattels, Risse, Ausbrüche, Verglasung und Verunreinigungen achten.

Typische Fehlerbilder

Ungleichmäßiger Verschleiß Mögliche Ursachen sind schwergängige Führungen, klemmende Bremskolben oder mechanische Probleme am Bremssattel.
Verglaster Bremsbelag Eine stark geglättete beziehungsweise glänzende Reibfläche kann unter anderem durch hohe thermische Belastung entstehen.
Öl oder Fett auf dem Belag Verunreinigungen können den Reibwert erheblich verändern. Die Ursache der Kontamination muss gefunden und behoben werden.
Riefen / beschädigte Oberfläche Zusätzlich zum Bremsbelag muss die Bremsscheibe auf Beschädigungen, Verschleiß und Fremdkörper untersucht werden.
Schleifende Bremse Kolben, Führungen, Bremsbeläge und gegebenenfalls der hydraulische Druckabbau müssen überprüft werden.
Bremsgeräusche Quietschen kann verschiedene Ursachen haben – beispielsweise Schwingungen, Belagmischung, Verschmutzung oder den Zustand der Bremsscheibe.

Diagnose – Symptom und mögliche Ursache

Symptom Mögliche Ursache Prüfung
Bremswirkung schwach Belag/Scheibe verunreinigt oder Bremsanlage fehlerhaft Beläge, Scheiben und Hydraulik prüfen
Motorrad bremst schlecht nach Belagwechsel Beläge noch nicht angepasst/eingebremst oder Montageproblem Montage und Einbremsvorgabe prüfen
Ein Belag stärker verschlissen Kolben/Führung möglicherweise schwergängig Bremssattel mechanisch prüfen
Bremse wird heiß Beläge lösen möglicherweise nicht vollständig Freigängigkeit und Hydraulik prüfen
Quietschen Schwingungen, Verschmutzung oder Materialpaarung Beläge, Scheibe und Montage prüfen

Bremsbeläge wechseln – Grundablauf

Der genaue Arbeitsablauf unterscheidet sich je nach Motorrad und Bremssattel. Das jeweilige Werkstatthandbuch hat deshalb Vorrang.

1
Bremsanlage kontrollieren
Vor der Demontage Zustand von Bremsscheibe, Bremssattel, Leitungen und Flüssigkeitsstand prüfen.
2
Alte Beläge ausbauen
Haltestifte, Federn und weitere Bauteile entsprechend der Herstellervorgabe demontieren.
3
Bremssattel prüfen
Kolben, Dichtbereich, Führungen und Befestigungsteile auf Beschädigungen und Schwergängigkeit kontrollieren.
4
Kolben zurückstellen
Beim Zurückstellen steigt der Flüssigkeitsstand im Behälter. Überfüllung vermeiden und Herstellervorgaben beachten.
5
Neue Beläge montieren
Beläge und Befestigungsteile entsprechend der vorgesehenen Einbaulage montieren.
6
Bremse betätigen
Vor Fahrtbeginn den Bremshebel beziehungsweise das Bremspedal mehrfach betätigen, bis ein definierter Druckpunkt vorhanden ist.

Neue Bremsbeläge einbremsen

Neue Bremsbeläge und die vorhandene Bremsscheibe müssen sich aufeinander einarbeiten. Der genaue Einbremsvorgang richtet sich nach den Vorgaben des Belagherstellers.

Wichtig: Neue Bremsbeläge können unmittelbar nach der Montage ein anderes Bremsverhalten zeigen. Bis zum ordnungsgemäßen Einbremsen entsprechend vorsichtig fahren.

MotoTechLab Praxistipp

Wenn ein Bremsbelag auffällig oder einseitig verschlissen ist, sollte nicht einfach nur ein neuer Belagsatz eingebaut werden. Der Verschleiß kann ein Hinweis auf einen schwergängigen Bremskolben, eine Führung oder ein anderes Problem der Bremsanlage sein.

Die Ursache finden – nicht nur das Verschleißteil ersetzen.

Bremsbeläge – Quickfacts

Verschleißteil regelmäßig kontrollieren
Belagart muss zum Einsatz passen
Verschleißgrenze Herstellervorgabe beachten
Nach Wechsel Druckpunkt herstellen

Fazit

Der richtige Bremsbelag ist entscheidend für ein kontrollierbares und reproduzierbares Bremsverhalten. Neben der Auswahl des passenden Reibmaterials ist vor allem der technische Zustand der gesamten Bremsanlage entscheidend.

Bei ungewöhnlichem Verschleiß sollte deshalb immer nach der eigentlichen Ursache gesucht werden – Bremssattel, Kolben, Führungen und Bremsscheibe gehören dabei zur Diagnose.

html lang=“de“> Bremsbelag-Berater für Motorräder

Bremsbelag-Berater für Motorräder

Wählen Sie Bremsbelagmaterial und Einsatzzweck, um eine passende Beschreibung und allgemeine Kompromisse zu erfahren.

Organisch
Pendeln

Bitte wählen Sie Material und Einsatzzweck aus, um die Beschreibung anzuzeigen.

♙
Praxisnahes WissenVon Mechanikern für Mechaniker
↗
Ständig aktuellRegelmäßige Updates & neue Inhalte
✚
Kostenloser ZugangViele Inhalte kostenlos verfügbar
♢
Für Profis & SchrauberEgal ob Werkstatt oder Hobby