Relais und Relaisschaltungen im Motorrad
Relais gehören zu den wichtigsten elektrischen Schaltelementen moderner Motorräder. Sie ermöglichen das Schalten hoher Ströme mit einem vergleichsweise kleinen Steuerstrom und schützen dadurch Schalter, Leitungen und Steuergeräte vor Überlastung. Ob Anlasser, Kraftstoffpumpe, Lichtanlage oder Kühlerlüfter – zahlreiche Verbraucher werden über Relais angesteuert.
Aufgabe eines Relais
Ein Relais arbeitet wie ein elektrisch betätigter Schalter. Durch einen kleinen Steuerstrom wird ein Magnetfeld erzeugt, welches einen Schaltkontakt bewegt. Dadurch kann ein deutlich höherer Laststrom geschaltet werden, ohne dass dieser direkt über den Bedienungsschalter fließen muss.
Relais trennen Steuerkreis und Lastkreis voneinander.
Aufbau eines Relais
Spule
Erzeugt beim Anlegen einer Spannung ein Magnetfeld.
Eisenkern
Verstärkt das Magnetfeld der Spule.
Anker
Wird vom Magnetfeld angezogen und bewegt den Kontakt.
Schaltkontakt
Schließt oder öffnet den Laststromkreis.
Rückstellfeder
Bringt den Kontakt nach dem Abschalten in Ausgangsstellung zurück.
Anschlussklemmen
Verbinden Steuerkreis und Lastkreis mit dem Relais.
Funktionsweise
Wird die Relaisspule bestromt, entsteht ein Magnetfeld. Dieses zieht den beweglichen Anker an. Die Schaltkontakte schließen und der Verbraucher erhält seine Betriebsspannung. Wird die Spule wieder stromlos, öffnet die Rückstellfeder den Kontakt und der Verbraucher wird abgeschaltet.
Beim Drücken des Startknopfes wird lediglich die Relaisspule angesteuert. Das Anlasserrelais übernimmt anschließend das Schalten des hohen Anlasserstroms.
Klemmenbezeichnungen
Klemme 30
Dauerplus von der Batterie.
Klemme 87
Ausgang zum Verbraucher.
Klemme 85
Masseanschluss der Relaisspule.
Klemme 86
Plusanschluss der Relaisspule.
Schließer, Öffner und Wechsler
Schließer
Kontakt ist im Ruhezustand geöffnet und schließt beim Anziehen des Relais.
Öffner
Kontakt ist im Ruhezustand geschlossen und öffnet beim Anziehen.
Wechsler
Schaltet zwischen zwei Stromkreisen um.
Typische Anwendungen am Motorrad
Anlasserrelais
Schaltet Ströme von teilweise über 100 Ampere.
Lichtrelais
Entlastet den Lichtschalter und reduziert Spannungsverluste.
Kraftstoffpumpenrelais
Steuert die Kraftstoffversorgung bei Einspritzanlagen.
Lüfterrelais
Schaltet den Kühlerlüfter bei hoher Motortemperatur.
Typische Fehlerbilder
Korrosion
Erhöht Übergangswiderstände und verursacht Spannungsverluste.
Kontaktabbrand
Entsteht durch hohe Schaltströme.
Spulenunterbrechung
Relais schaltet nicht mehr.
Wackelkontakt
Führt zu sporadischen Ausfällen.
Ein hörbares Klickgeräusch bedeutet nicht automatisch, dass die Lastkontakte korrekt arbeiten.
Diagnose in der Werkstatt
Bei der Fehlersuche sollte zunächst die Spannungsversorgung geprüft werden. Anschließend wird kontrolliert, ob das Relais hörbar schaltet. Danach erfolgt die Messung des Spulenwiderstands sowie die Prüfung der Lastkontakte unter Belastung.
- Sichtprüfung durchführen
- Spulenwiderstand messen
- Versorgungsspannung prüfen
- Durchgang der Lastkontakte messen
- Spannungsabfall unter Last prüfen
- Steckverbindungen kontrollieren
Prüfungswissen
Warum wird bei Motorrädern ein Relais verwendet?
Antwort:
Damit hohe Lastströme geschaltet werden können, ohne dass diese direkt über Schalter oder Steuergeräte fließen müssen.
Welche Anschlüsse gehören zur Relaisspule?
Antwort:
Klemme 85 und Klemme 86.
