Bohrer richtig auswählen & einsetzen
Spiralbohrer, Schneidstoffe, Spitzenwinkel und Drehzahl verständlich erklärt – damit Bohrungen maßhaltig werden, Schneiden länger halten und die Arbeit sicher bleibt.
1. Welcher Bohrer für welche Aufgabe?
2. Schneidstoff und Ausführung
| Ausführung | Eigenschaften | Typische Verwendung | Wichtig |
|---|---|---|---|
| HSS-R | Rollgewalzt, zäh und preisgünstig | Einfache Arbeiten in unlegiertem Stahl und Kunststoff | Meist geringere Maß- und Rundlaufgenauigkeit |
| HSS-G | Aus dem Vollen geschliffen, präzise Schneiden | Stahl, Guss und NE-Metalle bei guter Allgemeingenauigkeit | Gute Wahl für Werkstatt und Handbohrmaschine |
| HSSE / HSS-Co | Kobaltlegierter HSS mit höherer Warmhärte | Zähe, hochlegierte und rostfreie Stähle | Spröder als Standard-HSS; mit passender Drehzahl und Vorschub arbeiten |
| VHM | Sehr hart, verschleiß- und warmfest | Steife Maschinen, Serienfertigung, abrasive Werkstoffe | Stoßempfindlich; schlechter Rundlauf oder Handführung kann zum Bruch führen |
TiNTiAlNTiCNDLC/CrN Beschichtungen können Reibung, Verschleiß und Temperaturbeständigkeit verbessern. Farbe allein ist jedoch kein Qualitätsnachweis; entscheidend sind Grundwerkstoff, Geometrie, Beschichtungsprozess und passender Einsatz.
3. Geometrie verstehen
Spitzenwinkel und Kreuzanschliff
118° ist eine verbreitete Allround-Geometrie. 135° mit Kreuzanschliff kann die Zentrierung verbessern und die notwendige Vorschubkraft reduzieren – besonders bei geeigneten Metallbohrern. Der richtige Winkel hängt trotzdem vom Werkstoff und vom konkreten Werkzeug ab.
Längenausführungen
- DIN 1897: extra kurze, besonders steife Spiralbohrer.
- DIN 338: kurze Spiralbohrer mit Zylinderschaft („Jobber Series“), übliche Werkstattausführung.
- DIN 340: lange Spiralbohrer für größere Bohrtiefen – empfindlicher gegen Verlaufen und Schwingung.
4. Sauber bohren – Schritt für Schritt
- Bohrung planen: Werkstoff, Durchmesser, Bohrtiefe, Durchgangs- oder Sackloch und gewünschte Genauigkeit festlegen.
- Werkzeug prüfen: Passenden, scharfen und unbeschädigten Bohrer wählen; Schaft und Spannflächen reinigen.
- Werkstück sichern: Mit Schraubstock oder geeigneter Spannvorrichtung gegen Mitdrehen und Hochziehen sichern.
- Position markieren: Ankörnen oder bei präziser Maschinenarbeit mit einem geeigneten Anbohrer starten.
- Drehzahl einstellen: Durchmesser, Schneidstoff und Werkstoff berücksichtigen. Größerer Durchmesser bedeutet bei gleicher Schnittgeschwindigkeit weniger Drehzahl.
- Vorschub geben: Gleichmäßig schneiden lassen statt nur zu reiben. Zu wenig Vorschub erzeugt Wärme und Verschleiß.
- Späne kontrollieren: Bei tiefen Bohrungen regelmäßig ausspanen; Kühlung und Schmierung werkstoff- und werkzeuggerecht einsetzen.
- Durchbruch beherrschen: Vorschub kurz vor dem Austritt reduzieren, ohne das Werkstück mit der Hand zu halten.
- Nacharbeit: Maschine stoppen, Späne sicher entfernen, Bohrung prüfen und Kanten bei Bedarf entgraten.
5. Fehlerbilder schnell erkennen
| Fehlerbild | Wahrscheinliche Ursachen | Abhilfe |
|---|---|---|
| Bohrer läuft weg | Keine Führung, stumpfe oder ungleich geschliffene Schneiden, zu langer Bohrer | Ankörnen/anbohren, Rundlauf prüfen, kurzen scharfen Bohrer verwenden |
| Bohrung wird zu groß | Schlechter Rundlauf, asymmetrischer Anschliff, instabile Spannung | Bohrfutter und Schaft reinigen, Werkzeug prüfen, Werkstück fester spannen |
| Schneiden verfärben sich | Drehzahl zu hoch, Vorschub zu klein, unpassende Kühlung | Schnittwerte korrigieren, wirksam schneiden lassen, Kühlung prüfen |
| Lange Späne wickeln sich | Langspanender Werkstoff, ungeeignete Geometrie oder unterbrochene Spanabfuhr | Geeignete Geometrie/Vorschub wählen, Maschine stoppen und Späne sicher entfernen |
| Bohrer bricht | Verkanten, schlechter Rundlauf, zu hoher Vorschub, zugesetzte Nuten | Stabiler spannen, ausspanen, Rundlauf und Schnittwerte prüfen |
| Grat am Austritt | Hoher Vorschub beim Durchbruch, fehlende Unterlage | Vorschub reduzieren, Opferunterlage oder geeignete Stufenbearbeitung einsetzen |
Drehzahl-Rechner für Metallbohren
Berechnet die theoretische Spindeldrehzahl aus Schnittgeschwindigkeit und Bohrerdurchmesser. Verwende die Schnittwerte des Werkzeugherstellers und berücksichtige Maschine, Kühlung, Werkstoff und Spannung.
6. Schnellcheck vor dem Start
- Schutzbrille und eng anliegende Kleidung
- Keine Handschuhe an rotierenden Maschinen
- Werkstück fest eingespannt
- Bohrfutterschlüssel entfernt
- Bohrer scharf und korrekt gespannt
- Drehzahl und Vorschub passend
- Kühlung/Schmierung geklärt
- Späne nur bei Stillstand entfernen
Fazit
Ein gutes Bohrergebnis entsteht nicht durch möglichst hohe Drehzahl, sondern durch die passende Kombination aus Bohrertyp, Schneidstoff, Geometrie, Schnittgeschwindigkeit, Vorschub und stabiler Spannung. Sicherheit und Herstellerangaben haben dabei immer Vorrang.